OP-Grün, viel Empathie und eine Tapferkeitsurkunde
Ein persönlicher Impuls: Die Pflege begleitet mich seit nunmehr zwei Jahren, vorrangig in Form der Kommunikation und Pressearbeit für die Pro Care. An einem Tag in der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) durfte ich vor Kurzem ganz nah erleben, was Menschen in der Pflege leisten und wie sehr sich dieser Beruf doch von meinem Schreibtischjob unterscheidet.
5. Okt. 2026Teilen
Eine Vollnarkose für das eigene Kind ist nie schön.
Mein Sohn hatte kürzlich eine OP in der Augenklinik Göttingen. Wer sein Kind schon einmal bei einer OP begleiten musste, weiß, wie herausfordernd so ein Tag für alle ist. Beginnend damit, dafür zu sorgen, dass das Kind bis zur OP nüchtern bleibt (schwierig, bei einem kleinen Kind an die Vernunft zu appellieren), bis hin zur wohl größten Challenge: immer und in jeder Sekunde absolute Entspannung und Sicherheit auszustrahlen. Eine Fähigkeit, die Pflegepersonen par excellence besitzen. Von Sekunde eins an wurden wir so herzlich, empathisch und mit viel Humor begleitet, dass es sich so leicht wie möglich angefühlt hat.
„P., Mensch, du hast ja einen schönen Namen! Ich bin Michael“, sagt der Pfleger und bittet mich, das Bett mit ihm in den OP-Saal zu schieben. Er und ich sehen gleich aus. Wir sind beide in OP-Grün und tragen diese Haube. Ich soll am Fußende schieben, sodass P. mich sehen kann. Auch im OP-Saal sehen alle gleich aus. Chirurgin, Anästhesist, OP-Pfleger und ich händchenhaltend kurz Teil des Systems – wir alle tragen dieselbe grüne Kleidung.
„Was meinen Sie? Wird er die Narkosemaske nehmen?“, fragt der Anästhesist und hält sie hoch.
„Ja, das hat er bis jetzt immer super gemacht!“
„Sie auch? Er wird gleich zusammensacken!“
„Ja, ich kann das vertragen.“
Ich überlege kurz, ob manche Eltern an dieser Stelle in Panik geraten, was den Job aller Beteiligten anspruchsvoller als ohnehin bereits gestaltet. Über solche Zwischenfälle muss ich mir am Schreibtisch weniger Gedanken machen.
Und auch ansonsten bin ich tief beeindruckt davon, was Pflegekräfte alles gleichzeitig im Blick behalten müssen. Im Aufwachraum fragt mich eine Pflegerin nach P.s üblicher Pulsfrequenz und wie sportlich aktiv er ist. Von Pro Care-Teilnehmerin Antje Heubeck von der Kinderpflege Bärenstark weiß ich, dass der Puls bei Kindern ganz anders zu bewerten ist als bei Erwachsenen. Eigentlich logisch – dennoch ist mir dieses Beispiel für die Unterschiede zwischen Kinder- und Erwachsenenpflege sehr im Gedächtnis geblieben. Es macht greifbar, warum die generalistische Pflegeausbildung aktuell so intensiv diskutiert wird.
Im Aufwachraum zählt P. erst einmal durch, wer sonst noch da liegt: „Oma, Opa, Oma, Opa …“ Es sind tatsächlich alles ältere Patientinnen und Patienten bis auf ihn. Diese nehmen es glücklicherweise nicht persönlich. Und die Pflegerin hat alle im Blick: P.s Vitalwerte, die Dame, die nicht gut hört, und der Mann im Nebenbett, der beim Aufwachen denkt, er sei im Internet.
Der Moment, der mich aber wirklich nachhaltig berührt hat: Beim Verlassen der Klinik hatten wir P.s Tapferkeitsurkunde auf dem Bett liegen lassen. Eine Pflegerin eilte daraufhin auf den Parkplatz, um P. diese noch mitzugeben. Wow! Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die Tag für Tag Sicherheit geben, wenn sie Patienten und Angehörigen zu entgleiten droht.
Ein großes, aufrichtiges Dankeschön an das Team der Augenklinik Göttingen der Universitätsmedizin Göttingen für diesen Einsatz!
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