Einmal im Monat treffen sich die Projektteilnehmer auf einem der Höfe. Bei Kaffee und Kuchen werden Ideen ausgetauscht, Pläne erarbeitet, Anträge gestellt und eine Handreichung geschrieben. Das Interesse an Green Care ist groß. „Viele Höfe hatten schon vor Projektbeginn den Gedanken, ihren Leerstand eben nicht für Vieh oder Maschinen, sondern für soziale Angebote zu nutzen. Dadurch auch Leben in den ländlichen Raum zu bringen“, beobachtet Maria Nielsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, die das Projekt leitet. Als Krankenschwester und Agraringenieurin vereint sie die Branchen nicht nur organisatorisch, sondern auch als Person. Sie ist überzeugt: „Die Landwirtschaft hat Lösungsansätze für pflegespezifische Herausforderungen im ländlichen Raum.“

Unterschiedlichste Höfe an einem Tisch

Wohnangebote, Tagespflege oder Urlaub auf dem Bauernhof für Menschen mit Demenz: Obwohl oder vielleicht gerade weil die Teilnehmer so unterschiedlich sind, haben sie seit Beginn des Projekts im November 2023 schon so einiges auf den Weg gebracht. Konventionelle Schweinemastbetriebe sitzen ebenso am Tisch wie Biobauernhöfe, kleine Familienunternehmen neben großen Agrarbetrieben. Im Jahr 2023 sei die Landwirtschaft für 38 Prozent der Betriebe (4.850) in Schleswig-Holstein ein Nebenerwerb gewesen, schreibt das Bauernblatt vom 31. Mai 2025. Was früher dem Haupterwerb gedient habe, sei durch Generationenwechsel verkleinert worden. Sich nach Einkommensalternativen umzuschauen, liegt auf der Hand.

Bauernhof-WG statt Seniorenheim

Einer der Vordenker ist der Hof Gawrisch in Bargenstedt. Bernd Gawrisch betreibt dort eine Rindermast. Nun soll in einem ehemaligen Stall eine Hausgemeinschaft für Menschen mit Behinderungen entstehen. Mangels Alternativen landen auch junge Betroffene oft im Seniorenheim. In Bargenstedt könnten sie in schöner Umgebung gemeinsam alt werden, betreut durch einen oder mehrere ambulante Dienste.

„Das Tolle an solchen Wohnprojekten ist ja auch, dass die Menschen sich aussuchen können, mit wem sie zusammenleben wollen. Im Heim hat man diese Wahl nicht – da wird man wild durcheinander gewürfelt“, findet Sabine Neubert vom Maschinenring Mittelholstein. Der Maschinenring ist ebenfalls Teil des Projekts und fungiert derzeit als eine Art Servicestelle. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin berät Neubert nicht nur das „Green Care“-Projekt, sondern organisiert auch Alltagsbegleitung und hilft bei Pflegegradeinstufungen.

Männliche Bewohner sind gut beschäftigt

„Bauernhöfe bieten ganz andere Betreuungsansätze“, erklärt Neubert. „Aktivitäten für die Biografiearbeit ergeben sich eigentlich von selbst. Und die gesamte Arbeit gestaltet sich kleiner, privater, familiärer.“ Auf dem Hof Frowähr im nordfriesischen Wisch kümmern sich Menschen mit Beeinträchtigungen um die Aussaat im Gewächshaus. Den Praxistest für eine handbetriebene Sämaschine machen sie dabei gleich mit. Auch das ist Teil des Projekts: Bewohner oder Tagesgäste mit Pflegebedarf können ausprobieren, wie benutzerfreundlich das Handling neuer Geräte für sie ist. „Für die Männer ist das besonders gut“, beobachtet Nielsen. „Für Pflege und Betreuung ist es ja oft schwierig, Bewohner sinnbringend zu beschäftigen. In der Landwirtschaft ergibt sich das von allein: Die alten Herrschaften fühlen sich nützlich, können über Geräte fachsimpeln.“

Mit der elektrischen Schubkarre Mist abfahren, statt zu Ostern Schäfchen auszuschneiden: Auf dem Hof Meves in Eddelak können sich Menschen mit Demenz an leichten Arbeiten versuchen, wenn sie möchten. Und der Vorwiesenhof Lübeck hat ein Hochbeet getestet, mit dem auch Rollstuhlfahrer gärtnern können. Für die einen ist es eine Wohn- oder Tagesalternative, für die anderen ein Geschäftsmodell mit Sinn: Gute Ideen gibt es jedenfalls viele.

Ausstellungsthema Therapie & Aktivierung